{"id":269,"date":"2015-06-22T17:54:37","date_gmt":"2015-06-22T15:54:37","guid":{"rendered":"http:\/\/syntrofos.de\/wb\/?p=269"},"modified":"2019-01-10T13:24:57","modified_gmt":"2019-01-10T11:24:57","slug":"19-06-2015-okotoks-nach-nanton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.syntrofos.de\/?p=269","title":{"rendered":"19.06.2015 Okotoks nach Nanton"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich bin ich nicht so fr\u00fch losgekommen, dass sich die Strecke bis Fort Macleod realistisch h\u00e4tte machen lassen. Um kurz nach 10 war ich aber zumindest schon mal beim lokalen Ableger von Tim Hortens, den ich zwecks Fr\u00fchst\u00fcck und Kaffee angesteuert habe, angekommen.<\/p>\n<p>Ich schleich mich mit meinem Fahrrad gerade \u00fcber den Parkplatz, ich finde es nicht immer ganz einfach, herauszufinden, wo man jetzt gerade in welche Richtung fahren darf. Das liegt an den kunterbunt verteilten Parkplatzein- und -ausfahrten zwischen die sich dann noch die Drive Through Lane zw\u00e4ngt. Also wechsle ich immer mental in den Fu\u00dfg\u00e4ngermodus und tu so, als ob ich eh \u00fcberall fahren d\u00fcrfte. Jedenfalls bin ich gerade auf Schleichfahrt, als mich aus einem offenen Autofenster jemand anspricht.<\/p>\n<p><strong>Wo willst du heute noch hin? <\/strong>Ich wende und fahre zum Beifahrerfenster. <strong>Danke dass du zur\u00fcckgekommen bist. <\/strong> Ich sage, dass ich eigentlich bis Fort Macleod wollte, es aber wohl eher nicht schaffen werde. Es entwickelt sich ein Gespr\u00e4ch und der Typ, ein \u00e4lterer Herr, vielleicht Ende 50, fragt mich L\u00f6cher in den Bauch, wo ich herkomme, wo ich hinfahre, was ich arbeite, &#8230; Jedenfalls ist er hellauf begeistert und meint, er m\u00f6chte mich auf einen Kaffee bei Tim Hortens einladen, z\u00fcckt sein Portemonnaie und h\u00e4lt mir 20 Dollar hin. <\/p>\n<p>Jetzt muss ich etwas ausholen. Etwas sehr \u00e4hnliches ist uns, Gerald und mir, schon mal passiert. Ein Typ h\u00e4lt an, unterh\u00e4lt sich mit uns, und z\u00fcckt 20 Dollar. Mit den Worten, <strong>Fahrradfahrer haben nie Geld.<\/strong> Will er uns den Schein in die Hand dr\u00fccken. Wir lehnen ab, sagen, dass wir eigentlich schon genug Geld haben, usw. Am Ende steckt der Typ den Schein weg und ist leicht angepisst. Steigt in sein Auto und ist weg.<\/p>\n<p>Ich hab dem Typen heute ja bereits erz\u00e4hlt, was ich arbeite. Dennoch habe ich ihm nochmal gesagt, dass ich wirklich nicht arm bin, aber er wollte nicht von seinem Plan ablassen. Also habe ich die 20 Dollar genommen und mich herzlich bedankt. Er meinte noch, dass er mir das Geld geben m\u00f6chte, weil ich eine Inspiration f\u00fcr ihn und alle Kanadier w\u00e4re. <\/p>\n<p>Wow. Das zieht einem dann doch den Boden unter F\u00fc\u00dfen weg. Geht runter wie \u00d6l. Jedenfalls habe ich den Kaffee dann auf ihn getrunken. <\/p>\n<p> Und wieder einmal hat die Inspiration nur gut 50 km geschafft. Ein bisschen Schuld war aber auch ein heftiges Gewitter, das sich, von den Rockies aus Westen kommend, vor mich geschoben hatte. Zum Gl\u00fcck war ich gerade in der N\u00e4he eines Tim Hortons, so dass ich das N\u00fctzliche, Flucht vor den Gewitter, mit dem Angenehmen, ein leckeres Chili mit einer Art Vollkornbr\u00f6tchen, verbinden konnte.<\/p>\n<div class=\"separator\" style=\"clear: both; text-align: none;\"><a href=\"https:\/\/blog.syntrofos.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/wpid-Photo-20150622095433511.jpg\" target=\"_blank\" style=\"\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blog.syntrofos.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/wpid-Photo-20150622095433511.jpg\" id=\"blogsy-1434988477179.6038\" class=\"alignnone\" width=\"1000\" height=\"224\" alt=\"\"><\/a><\/div>\n<p>Mein zweiter Tim Hortons innerhalb von zwei Stunden. Dort konnte ich das Gewitter aussitzen und danach, ohne auch nur ein bisschen nass geworden zu sein, meine Fahrt fortsetzen.<\/p>\n<p>Ich muss jetzt ein paar Worte zu dieser Kette, Tim Hortons, loswerden. Ich hab mich mit der Firmengeschichte nicht besch\u00e4ftigt, obwohl \u00fcberall Fotos und so Zeugs vom Firmengr\u00fcnder, Tim Horton, herumh\u00e4ngen, und man mit Sicherheit sehr gerne davon berichten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jedenfalls scheint sich dieser Mensch in den Kopf gesetzt zu haben, einen vern\u00fcnftigen Kaffee anzubieten. Mit Erfolg. Der Kaffee ist echt gut. Filterkaffee vom Feinsten. Nicht diese d\u00fcnne, seit drei Stunden auf dem Herd vor sich hinsimmernde Pl\u00f6rre, wie man sie \u00fcblicherweise in amerikanischen Diners bekommt. Wer will kann sich den Kaffee nat\u00fcrlich auch mit irgendwelchen Flavours versauen lassen, aber man muss ja nicht alles mitmachen.<\/p>\n<p>Die ersten Tage in Kanada kannte ich die Kette noch nicht. \u00dcblicherweise befinden sich immer alle Schnellrestaurants am Rande eines Ortes, neben dem Highway, um m\u00f6glichst viele Kunden zu erreichen. Innerhalb von vielleicht 500 Metern konzentrieren sich also die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen. Mac D, A&amp;W Burger, Subway, Denny&#39;s, DQ, eventuell noch weitere, lokale Restaurants, und nat\u00fcrlich Tim Hortens.<\/p>\n<p>Bevor ich \u00fcberhaupt wusste, was der Schuppen zu bieten hat, Autoreifen, Zeitschrift oder Burger, nebenbei bemerkt, keines von alledem, ist mir aufgefallen, dass der Laden in der Zeit von 9 bis 12 den Verkehr lahmlegt. W\u00e4hrend bei den anderen Schnellrestaurants meist maximal ein Auto auf dem Parkplatz stand und die Drive Through Lane g\u00e4hnend leer war, waren bei den Tim Hortens immer s\u00e4mtliche Parkpl\u00e4tze belegt, und die Schlange der Autos, die auch noch unbedingt mit rauf wollten, staute sich zur\u00fcck bis auf die Stra\u00dfe. Das musste ich mir nat\u00fcrlich ansehen.<\/p>\n<p>Das ist aber gar nicht so leicht. Zwar habe ich mit Rad keine Parkplatzprobleme, aber wenn man das Restaurant betritt, dann reicht die Schlange der Wartenden oft bis zur T\u00fcr. Man hat extra schon Absperrb\u00e4nder installiert, um die Kunden koordiniert in Schlangenlinien auf dem verf\u00fcgbaren Platz zu parken.<\/p>\n<p>Wenn man es dann aber einmal geschafft hat an einer Kasse zu landen, dann geht der Spa\u00df erst richtig los.  Gerald und ich sind uns einig, man m\u00fcsste f\u00fcr Kanadaneulinge einen Immigrationskurs &#8222;Tim Hortons for beginners&#8220; anbieten. Unter der Decke h\u00e4ngen schon mal Fernseher, die die ca. jeweils 10 Fr\u00fchst\u00fcck und Lunch Angebote pr\u00e4sentieren. Man wei\u00df zumindest schon mal ungef\u00e4hr was man kriegt. Ok. Versuchen wir es einmal.<\/p>\n<p><strong>Number 4 combo please.<\/strong> Dabei handelt es sich in seiner Fr\u00fchst\u00fccksvariante, Nummer 4 gibt&#39;s auch als Lunch, aber sie sich daraus ergebenden Komplikationen sind f\u00fcr den fortgeschrittenen Kurs, um eine Art englisches Fr\u00fchst\u00fcck mit R\u00fchrei, Speck und Br\u00f6tchen. Das ganze nat\u00fcrlich, den Drive Through G\u00e4sten sei es geg\u00f6nnt, in einer autofahrerfreundlichen Variante. Das R\u00fchrei hat die Form eines Fladens von der Gr\u00f6\u00dfe des Br\u00f6tchens und befindet sich zusammen mit dem Speck bereits perfekt positioniert zwischen der oberen und unteren H\u00e4lfte von eben diesem. Form, OK, interessant. Geschmack, Wow. Schon allein das Br\u00f6tchen, ok, kein Pfister Vollkorn, aber von dem labbrigen Flatsch der anderen Ketten soweit weg, wie Russland von Demokratie.<\/p>\n<p>Aber wir sind ja noch gar nicht fertig mit Bestellung.<\/p>\n<p><strong>To stay, or to go?<\/strong> &#8211; \u00e4h, nein nein, schon hier, ich kann das doch auf dem Fahrrad nicht transportieren. Und einmal am Tag auf einem richtigen Stuhl sitzen. Warum denkt ihr bin ich hier? <strong>To stay, please.<\/strong><\/p>\n<p><strong>What do you want to drink?<\/strong> &#8211; Bl\u00f6de Frage. <strong>Coffee, please!<\/strong> Wir wollen ja h\u00f6flich bleiben. &#8211; Okay. Wieder so ein Tourist. <strong>Small? Medium? Large? X-Large?<\/strong> &#8211; Ah. Ok. Hm. <strong>Large, please!<\/strong> &#8211; Manno, mein Gl\u00fcckstag. <strong>What kind of coffee? Regular, dark or decaf?<\/strong> &#8211; Wow, hm. <strong>Dark, please.<\/strong> &#8211; Da werde ich mich wieder bei meinem Schichtleiter verantworten m\u00fcssen, warum das wieder so lange gedauert hat. <strong>Do you want cream and sugar?<\/strong> &#8211; \u00e4h, was? Ah, ok. <strong>Just cream, please.<\/strong> &#8211; <strong>One or two cream?<\/strong> &#8211; \u00e4h. <strong>One, please.<\/strong><\/p>\n<p>Damit w\u00e4re es eigentlich geschafft. Nur noch die obligatorische Frage nach eventuellen Extraw\u00fcnschen. Umsatz ist Umsatz.<\/p>\n<p><strong>Something else?<\/strong> &#8211; Oh, ah. Vorsicht. Jetzt wird das Eis sehr d\u00fcnn. Hier kann man folgenschwere Fehler begehen. <strong>Yes. Could I get a Honey Dip Donut, please?<\/strong> &#8211; ok, was hat man mir beigebracht muss ich fragen? <strong>Do you want this as a replacement for the Hash Brownie?<\/strong><\/p>\n<p>Dies ist eine klassische Stelle, an der sich, zumindest f\u00fcr Anh\u00e4nger der Multiversumstheorie, das Universum teilt.<\/p>\n<p>1) man hat noch nie einen Hash Brownie gegessen: Was zum Teufel ist ein Hash Brownie? Ich kenne nur Brownies, extrem konzentrierte Kalorien in Form einer Art Schokokuchen. Ich brauche zur Zeit jede Kalorie die ich kriegen kann, ich will heute noch 50 km fahren. <strong>No, additionaly, please!<\/strong><\/p>\n<p>2) man hat bereits einen Hash Brownie gegessen: BIST DU WAHNSINNIG, ERST MACHT IHR MICH S\u00dcCHTIG AUF DAS ZEUG UND DANN WOLLT IHR ES MIR NICHT GEBEN? <strong>No, additionaly, please!<\/strong><\/p>\n<p>Wahrscheinlich kennen alle au\u00dfer mir, ich wusste echt nicht was ein Hash Brownie ist, das Zeug. Jedenfalls ist es, wie wir Oberpf\u00e4lzer sagen, ein Dotsch, andere nennen es wohl Reibekuchen. Grob geriebene Kartoffeln, zu einem Fladen herausgebacken. Ich bin total s\u00fcchtig auf das Zeug. Selbst jetzt beim schreiben l\u00e4uft mir das Wasser im Munde zusammen. Ich glaube ich muss nach dem Urlaub in Therapie gehen. Aber leider gibt es das nur als i-T\u00fcpfelchen zu den Fr\u00fchst\u00fcck-Combos.<\/p>\n<p>Jetzt nur noch zahlen, und kurze Zeit sp\u00e4ter gibt es das Bestellte an der Essenausgabe zum abholen.<\/p>\n<p>Einen Profi erkennt man an der Bestellung: <strong>One combo number 4 to stay with large coffee, one cream, and an extra Honey Dip donut please. &#8211; Someting else? &#8211; No, thank you. &#8211; You&#39;re welcome.<\/strong><\/p>\n<p>Na also, geht doch. Aber ich glaube trotzdem, dass der Kurs der Renner w\u00e4re. Zumal, ihr wollt echt nicht wissen, welche Komplikationen sich aus der Bestellung eines Chilies ergeben. Aber auch hier gilt, am Ende lohnt sich jede M\u00fche.<\/p>\n<p>Jedenfalls habe ich es nur bis Nanton geschafft. In der Eisdiele habe ich, neben einer Kugel Maple Walnut, noch die Info bekommen, wo ich den bl\u00f6den Campground finden kann. Erst wenn man 100 Meter vor ihm steht, ist er ausgeschildert. Der Verk\u00e4ufer in der Eisdiele sagt, er habe die erste Zeit, nachdem er aus Calgary hierher gekommen war, selbst auf dem Campground gewohnt. Er sei sehr ruhig. Naja. Mit der Ruhe auf Campgrounds hier ist es so eine Sache. Der hier liegt z.B. ziemlich nahe am Highway, und die Lastwagenfahrer kennen ja nichts. Die Maschine muss schon ordentlich knattern. Aber \u00fcblicherweise liegen Campgrounds direkt an der Bahnstrecke. Und wenn sich so ein 3 km langer G\u00fcterzug im Schneckentempo, was dann gef\u00fchlt eine halbe Stunde dauert, vorbeischiebt und dabei alle 10 Sekunden tutet, weil sich irgendwo ein Bahn\u00fcbergang befindet, dann ist so ein ordentlicher Highway schon eher ruhig. Und dann kommt der Gegenzug. Der musste ja auch eine halbe Stunde warten bis er endlich darf.<\/p>\n<p> [map gpx=&#8220;wp-content\/uploads\/2015-06-19.gpx&#8220; style=&#8220;width:600px; height:400px&#8220; maptype=&#8220;OSM&#8220;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich bin ich nicht so fr\u00fch losgekommen, dass sich die Strecke bis Fort Macleod realistisch h\u00e4tte machen lassen. Um kurz nach 10 war ich aber zumindest schon mal beim lokalen Ableger von Tim Hortens, den ich zwecks Fr\u00fchst\u00fcck und Kaffee angesteuert habe, angekommen. 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