Wie üblich haben wir es natürlich wieder mal nicht geschafft, rechtzeitig los zu kommen. Das morgendliche Frühstück, mit abspülen, Zelt einpacken, alles in den Taschen verstauen und die Fahrräder beladen, dauert immer ewig.
Da wir beschlossen hatten, auf dem Rückweg die Strecke nach Lake Louise in zwei, und nicht wie auf der Fahrt hierher in drei, Tagen zu machen, war das natürlich nicht so besonders geschickt. Immerhin standen uns ca. 100 km Strecke und eine Nettohöhendifferenz von 1000 Metern bevor. Mit Zwischenanstiegen dürften dann wohl eher 1300 Meter zusammen gekommen sein. Die Nacht wollten wir auf dem höchsten Punkt unserer bisherigen Tour, auf dem Wilcox Creek Campground verbringen. Gelandet sind wir dann zwar auf dem 2 km davon entferntem Icefield Campground, aber das ist für Höhe und Strecke unerheblich.
Bereits da. 10 km nach dem Start gab es die erste Aufregung. Ein Schwarzbär stand plötzlich ca. 15 Meter von uns entfernt in der Nähe des Straßenrandes. Aber bis auf einen intensiven Augenkontakt hat er keinerlei Interesse an unserer Anwesenheit bekundet. Irgendwo hab ich gelesen, dass die Grenze, ab der sich Bären bei Annäherung nicht mehr wohl fühlen und aggressiv reagieren, bei ungefähr 10 Metern liegt. In unserem Fall jedenfalls schien das Tier sehr ruhig und entspannt zu sein.
Auf den Hinfahrt wehte ein manchmal recht heftiges Lüftchen aus nördlicher Richtung. Das scheint der Normalfall im Sommer zu sein. Unter der Annahme, dass wir auf der Rückfahrt Hilfe vom Wind bekommen, haben wir die Länge der Etappen entsprechend vergrößert, um dann in vier (Fahr)Tagen in Calgary zu sein. Das würde uns ausreichend Spielraum lassen, um das Fahrrad für Geralds Rückflug am 16. zu verpacken.
Aber leider hat sich der Wind wieder einmal gegen uns gerichtet. Offensichtlich hatte das heranziehende schlechte Wetter auch die Windrichtung gedreht, so dass wir teilweise ganz schön zu kämpfen hatten.
Nach ca. 70 km waren wir an der ersten Übernachtungsmöglichkeit angekommen. Nach einer kurzen Pause dort haben wir aber beschlossen, doch noch die nächsten 30 Kilometer bis zu unserem eigentlichen Ziel in Angriff zu nehmen.
Wir sind dann recht spät am Icefield Campground angekommen und haben mit eiskalten Fingern noch die Zelte aufgebaut und uns ein einfaches Essen zubereitet, bevor wir in unserer Schlafsäcke gekrochen sind.
Der Campground selber liegt auf ca. 2050 Metern Höhe und ist direkt den Gletschern gegenüber platziert, die ihm seinen Namen geben. Kalt aber idyllisch.
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