01.06.2015 Invermere nach Parson

Gerald ging morgens ins Krankenhaus um seinen Arm checken zu lassen. Zum Glück war nichts gebrochen. Gegen die Schmerzen sollte er Schmerzmittel nehmen und ansonsten den Arm bewegen und kühlen.

Also sind wir gegen 11 Uhr aufgebrochen und haben zuerst einmal Wasser und ein paar weitere Lebensmittel besorgt.

Danach sind wir zu Tim Hortons zum frühstücken gegangen. Der liegt am Rande der Stadt, am Highway 95. Allerdings hatten wir bis dahin schon ein Drittel der Höhenmeter des Tages hinter uns gebracht, so dass ein Frühstück nicht nur gut sondern nötig war.

Die weitere Fahrt war nicht besonders ereignisreich. Die Strecke war eigentlich angenehm flach, nur der Wind wehte aus der falschen Richtung. Wir haben dann etwa 75 km gemacht, bis wir auf dem Quinn Creek Campground bei Parson angekommen sind.

Der Campground war offen, aber es war niemand im abgesperrten Office. Also haben wir, wie es angeschrieben war, unsere 20 Dollar, zusammen mit unseren Angaben über Name, welchen Platz wir haben und wie lange wir bleiben, in einen Briefkasten geworfen und dann unsere Zelte aufgebaut.

Leider waren auch die Duschen abgeschlossen, so dass wir uns mit kalten Wasser aus einem der zugänglichen Wasserhähne waschen mussten. Egal, danach ging es vieeeel besser. Und auch die Fliegen hielten mehr Abstand.

Zum Abendessen gab es Tortellini mit dem bereits bekannten Hamburger Relish.

Im Laufe des Abends kamen dann doch noch die Besitzer des Platzes vorbei und haben uns sogar noch den Code für die Türen zu den sanitären Einrichtungen verraten. Damit haben sie uns das Buddeln von Löchern erspart.

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Für die Zahlenfresser unter den Lesern, noch ein bisschen Futter.

 

 

31.05.2015 Johnson Lake nach Invermere

Die Nacht am See war durchwachsen. Leider hatte ich mir einen recht steinigen Platz zum schlafen ausgesucht und hab mich daher die ganze Zeit unruhig hin und her gewälzt. In der Nacht hat es zwei oder dreimal etwas geregnet und um 7 Uhr war der ganze See noch fest in Nebel eingehüllt. Um 8 Uhr war dann aber der Nebel weg und auch die Sonne kam langsam raus. Es sollte ein wunderbarer Tag werden.

Zum Frühstück gab es Reis mit Bohnen, aufgemotzt mit Knoblauch, wegen der bösen Geister, ziemlich gehaltvoll, aber genau das richtige für einen anstrengenden Tag auf dem Rad.

Allerdings war noch nicht klar, wie weit wir heute fahren sollten. Gerald hatte sich gestern bei einem blöden Sturz aus dem Stand, bei dem eigentlich gar nichts passiert ist, am Arm verletzt. Es ist noch nicht klar, welcher Art die Verletzung ist, jedenfalls kann er den Arm nur bedingt bewegen und tut sich etwas schwer beim Fahren. Deshalb wollten wir einen Arzt aufsuchen und das untersuchen lassen.

Leider gab es aber in den kleinen Orten auf der Strecke keinen Arzt oder Krankenhaus.

Daher blieb uns am Ende nichts anderes übrig, als bis Invermere zu fahren, wodurch wir am Ende des Tages schon wieder um die 80 km auf dem Tacho hatten.

Ich hatte große Hoffnungen auf Invermere gesetzt. Immerhin ist es die größte Stadt zwischen Cranbrook und Golden, welche insgesamt ca. 250 – 300 km voneinander entfernt sind. Aber leider hat sich herausgestellt, dass die Stadt ziemlich tot ist. Das geht soweit, dass im Umkreis von 20 km kein Campground zu finden ist. Damit hat sich auch die Idee, in Invermere einen Ruhetag zu verbringen, erledigt.

Da wir aber morgen in die Klinik wollen, haben wir uns entschlossen diese Nacht in dem einzigen Motel des Ortes zu verbringen.

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Bei der Aufzeichnung des GPX Tracks gab es heute ein Problem, wodurch die Daten möglicherweise unbrauchbar, aber zumindest nicht vollständig, sind.

Selbst die Daten des Forumsladers, der gleichzeitig über die gefahrenen Kilometer und Zeiten Protokoll führt, sind heute nicht korrekt. Bei den Daten des Tages wurde die ersten 30 km keine Zeit gezählt, weshalb die gefahrene Zeit nicht korrekt, und die Durchschnittsgeschwindigkeit sich nur auf die restlichen Kilometer bezieht.

 

30.05.2015 Cranbrook nach Johnson Lake

Am Morgen sind wir schwer losgekommen. Wir mussten noch letzte Hand an Geralds Fahrrad anlegen. Am Abend hatten wir schon festgestellt, dass vermutlich bei der Montage beim Händler die Gangschaltung nicht richtig eingebaut und justiert worden war. Jetzt war die Kette zu lang und wir mussten den gleichen Fehler mit Absicht wieder herstellen, damit das Fahrrad überhaupt zu fahren war.

Nachdem wir unsere Zelte abgebaut hatten, haben wir noch ein paar Lebensmittel besorgt.

Wir sind dann auf dem Highway in Richtung Kimberley gefahren. Ein leicht österreichisch angehauchter Wintersportort nordwestlich von Cranbrook.

Kurz nach Ortsende Cranbrook steht ein Typ mit Pickup auf dem Seitenstreifen und winkt uns zu sich her. Ja, er fährt auch Rad und mag das Fahren auf dem Highway nicht. Er möchte uns eine andere Strecke nach Kimberley zeigen. Dann ist er ein paar hundert Meter vorgefahren und hat uns einen Durchschlupf durch die Büsche gezeigt. Keine 10 Meter vom Highway Weg, verlief ein perfekt ausgebauter Fahrradweg. Von Cranbrook nach Kimberley. Da es sich um eine der stillgelegten und dann zurückgebauten Eisenbahnstrecken handelt, sind die Steigungen alle unter 3 Prozent und das Fahren auf dem Weg machte echt Laune.

Leider hat es ziemlich bald angefangen zu regnen und es hat 1,5 Stunden durch geregnet. Bis Kimberley. Wir waren klatschnass. Das Wasser stand mir in den Schuhen.

In Kimberley hat Gerald sein Fahrrad in einen Fahrradladen gebracht. Dort hat man ihm die Schaltung korrigiert und die Kette gestützt. Jetzt läuft sie perfekt. Bevor jetzt hier geflamed wird warum wir das nicht selber hingekriegt haben: wir hatten ganz einfach den Bolzen für das zusammenstecken der gekürzten Kette nicht. Die Ersatzkette die ich habe, funktioniert anders, und ich dachte nicht, dass ich in die Situation kommen werde, meine aktuelle Kette kürzen zu müssen, wenn dann eben gegen eine neue tauschen. Also kein Bolzen.

Das Wetter ist wieder besser geworden und alle Klamotten sind wieder getrocknet, bei herrlichem Sonnenschein ab kurz nach Kimberley.

Wir sind dann weitergefahren Richtung Ta Ta Creek in der Hoffnung dort einen Campground zu finden. Auf der Karte waren drei davon eingezeichnet. Aber es gibt keinen der dort ausgeschildert und für uns erreichbar gewesen wäre. Vermutlich handelt es sich dabei um Campgrounds, die nur zu Fuß erreichbar sind und mitten im Wald liegen.

Also sind wir weiter nach Skookumchuck gefahren. Unser Wohltäter von heute Morgen hatte uns gesagt, dass dort direkt am Ortsanfang ein Campground sei.

Pustekuchen. Am ersten sagt man uns, dass sie keine Zelte mehr nehmen, nur noch Campingbusse. Aber der nächste vermutlich schon. Der nächste war auch nur 10 Meter weiter.

Dort hat man uns mit den Worten „Ich hoffe ihr kommt wegen eines Zimmers!“ empfangen. Nein, tun wir nicht. „We don't do tenting anymore!“. Wir haben noch ein bisschen gefragt warum und seit wann. Der Typ war recht nett und hat uns dann noch den Tipp gegeben, dass es ca. 5 km weiter einen Waldweg zu einem See gäbe. Dort wäre unsere beste Chance einen Platz zu kriegen.

Dort haben wir einen super Platz direkt am See vorgefunden, der allerdings als day use area ausgeschrieben war, was üblicherweise bedeutet, dass campen nicht erlaubt ist. Allerdings stand da auch etwas von maximal 14 Tagen Aufenthalt. Wir haben das so verstanden, dass Zelten ok geht.

Den Platz mussten wir uns mit einer Gruppe teilen, die mit ihrem Van und vier Autos da standen. Im Laufe des Abend sind aber die meisten davon gefahren und auch die mit dem Van haben alles abgebaut. Am Morgen waren alle weg.

Jedenfalls sind wir am Abend noch kurz in den See gesprungen, als Ersatz für die so sehnlich erwartete Dusche. Dann gab es Abendessen, Nudeln mit Hamburger Relish als Soße. Zum krönenden Abschluss noch ein India Pale Ale.

Aus einer geplanten 45 km – wir fangen mal langsam an – Tour, wurde eine 85 km Tagesetappe mit netter Steigung am Ende. Es gab gleich keinen Campground, ich bin aber froh deswegen, sonst hätte ich mir anhören müssen, warum ich immer 8 Liter Wasser durch die Gegend fahre, jetzt sind wir glücklich über Abendessen, Kaffee am Morgen und Trinkwasser. Und der Platz am Ende ist einfach der Hammer.

Jedenfalls war das ein angemessener Einstand. Willkommen in Kanada!

 

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29.05.2015 Ruhetag auf den Highways

Gestern hatte ich mir noch einen Mietwagen für heute organisiert.

Nach einem kleinen aber feinen Frühstück, mit großem Kaffee, bei Tim Hortons hab ich mir den Wagen geholt und bin nach Calgary gefahren um dort meinen Bruder abzuholen.

Highway 3, Highway 22, Highway 533, Highway 2 und das ganze wieder zurück. Ziemlich genau 800 km und 8 Stunden später waren wir wieder in Cranbrook.

Schnell noch Zelt aufgebaut und das Fahrrad wieder zusammen geschraubt.

Huch, und plötzlich war es doch schon 22:30 Uhr bis wir endlich fertig waren. Alle Burger Läden in der Stadt machen um 22:00 Uhr zu.

Aber bei Boston Pizza hatten wir Glück. Es gab noch eine durchaus annehmbare Pizza und ein Bier.

Alles gut.

 

28.05.2015 Ruhetag in Cranbrook

Heute habe ich erstmal vernünftig ausgeschlafen und bin dann in die Stadt gefahren. Losgefahren bin ich bei schönstem Wetter, aber innerhalb relativ kurzer Zeit hat sich ein schönes Gewitter mit Regenschauern über der Stadt breit gemacht.

Natürlich kam es wie es kommen musste. Ich hab zwar noch versucht eine Pause im Regen zu nutzen, aber die war dann doch zu kurz. Bis ich am Zelt war war ich nass.

Egal. Da es sowieso die ganze Zeit geregnet hat, habe ich mich in meinen Schlafsack verkrochen und gepennt.

Später, als es dann wieder etwas besser wurde, habe ich mir was leckeres zum Essen gemacht.

Ich hab ein Stück Fleisch klein geschnitten und in Olivenöl angebraten, mit Wasser aufgefüllt und eine Brühe gekocht.

In der Brühe habe ich dann noch Kartoffeln und frische grüne Bohnen gekocht.

Am Ende gab es einen sauberen Eintopf. Ich bin nicht sicher, ob das die angemessene Ernährung an einem Ruhetag ist, aber jedenfalls war es lecker.

 

 

27.05.2015 Creston nach Cranbrook

Ich muss diesen Beitrag gleich mit einer schockierenden Tatsache beginnen und auch im weiteren Verlauf werden interessante und verstörende Dinge enthüllt werden. Also bleibt dran und wundert euch.

Irgendwann habe ich es bestimmt erwähnt, ich befinde mich ja auf dem Weg nach Calgary, wo ich meinen Bruder vom Flughafen abholen möchte, sodass wir dann wieder in die Berge zurück fahren können.

Diesen Plan habe ich vor ungefähr einer Woche aufgegeben. Ich höre schon den Aufschrei! Ich hab das solange geheim gehalten, weil ich gehofft habe, dass noch ein Wunder passiert. Calgary zieht um oder eine direkte Verbindung wird eröffnet. Heute muss ich meine Hoffnungen begraben.

Von Creston nach Calgary sind es ungefähr 500 km. Mein Bruder landet in ca. 54 Stunden. Ja. Einige werden sagen, das geht! Aber ich habe alle Hoffnung aufgegeben. Der Plan ist jetzt, dass mein Bruder mit einem Mietwagen nach Cranbrook kommt.

Der Ort ist sowieso ein besserer Ausgangspunkt für eine Radtour durch die Rockies. Also habe ich zwei Tage Zeit um nach Cranbrook zu kommen und kann mich dann sogar noch den ganzen Freitag auf die faule Haut legen. Bei ca. 110 km macht das zwei schöne leichte Tage. Zumal die Strecke kaum Steigungen aufweist.

Das einzige Problem ist, dass es auf der Strecke nur in Yahk, ca. 35 km von Creston weg, oder am Ende des Lake Moyie, ca. 20 km vor Cranbrook, einen Campground gibt. Beides nicht gerade optimal.

Ich hab mich ein bisschen mit dem Manager von meinem Motel unterhalten und wir kamen auch auf dieses Thema zu sprechen. Er meinte, es gebe da ungefähr auf halber Strecke einen Rastplatz, der dann sogar eine Toilette und die geschätzten Tische und Bänke haben würde. Es sei zwar untersagt da zu campen, aber die Leute würden es trotzdem machen. Das klang doch nach Plan.

Ich hatte vorher schon, in Erwartung einer Zweitagesreise meine Wasservorräte auf 8 Liter erhöht, mir eine leckere Abwechslung, für besondere Anlässe, in den Reiseproviant gelegt und mein Fahrrad bepackt. Es konnte also los gehen.

Technisch gesehen waren auf der Strecke insgesamt zwar 350 Meter Höhe zu machen, aber ohne großes rauf und runter. Und so kam es wie es kommen musste, gegen 14 Uhr war ich an dem besagten Rastplatz angekommen, ohne mich irgendwie sonderlich angestrengt zu haben. Vorher hatten mich zwar zweimal kräftige Regenschauer erwischt, aber zu dem Zeitpunkt war alles wieder trocken und die Sonne schien. Ich hab dann erstmal kurz Brotzeit gemacht und mir dann überlegt, dass ich jetzt den ganzen Tag hier rumsitzen muss.

Noch ein bisschen gezögert, aber da bisher alles so gut lief, habe ich mich schließlich dazu durchgerungen, die nächsten 60 km bis nach Cranbrook auch noch anzugehen. Also wieder rauf aufs Rad und losgestrampelt. Es lief wie geschmiert und gegen 18:30 Uhr war ich am Campground in Cranbrook.

Davon mal abgesehen, dass es ein sehr schöner Tag gewesen war, an dem alles perfekt gelaufen ist, sind noch weitere interessante Dinge passiert.

Ich habe eine Zeitzone überquert. Irgendwo mitten auf der Strecke war ein Schild, auf dem stand ich sollte meine Uhr um eine Stunde vorstellen. Ich bin jetzt also nur noch 8 Stunden hinter Deutschland.

Dann habe ich realisiert, dass dies mein letzter Tag auf dem inzwischen fast zur Heimat gewordenen Highway 3 ist. Nach, geschätzten, 700 km: Tschüß Crowsnest Highway.

Weiterhin habe ich heute erstmals ganz deutlich die 100 km Marke geknackt. Von Tür zu Tür waren es fast 115 km. Endlich mal ein positiver Beitrag zu meinem 100 km pro Tag Ziel.

Last but not least habe ich, das allerdings deutlich, die 1000 km Marke überschritten.

Seit ich in Kanada gelandet bin, habe ich 1082 km mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Und wie ich es ja bereits angekündigt hatte, gab es ein großes Fest, das allerdings wegen erneutem Regenschauer in das extra aufgebaute Festzelt verlegt werden musste. Für gepflegte Kost hatte ich ja wohlweislich gesorgt.

Ein leckeres Thai-Irgendwas von Campells. War eigentlich ganz Ok. Nur den versprochenen Reis musste man echt suchen. Und dazu noch ein leidlich kühles und echt trinkbares Bier aus der Brauerei in Creston.

Alle Teilnehmer sind sich einig, dass es sich gelohnt hat und das Fest ein voller Erfolg war. Auf die nächsten 1000!

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26.05.2015 Crawford Bay nach Creston

Meine Klamotten hatte ich noch mitten in der Nacht klatschnass ins Zelt geholt. Zum Glück hat es gegen 6 Uhr wieder aufgehört zu regnen und die Sonne kam raus.

Also alles wieder raus und schön über die in der Sonne liegenden Tische und Bänke verteilt. Zum Glück war ich, bis auf einen älteren Herren im Campervan, der einzige Gast auf dem Platz. Der Platz hatte erst am Wochenende vorher seine offizielle Eröffnung, wie mir die Managerin beim Abschied noch erzählt hat.

Jedenfalls war bis zum späten Vormittag alles wieder trocken. Kann losgehen.

Die Strecke des heutigen Tages war ungefähr 70 km lang und führte laut Karte ziemlich am Kootenay Lake entlang. Das Panorama Bild des gestrigen Beitrags zeigt übrigens den ersten Teil meines heutigen Weges. Ungefähr von der Bildmitte aus bis weit hinter den sichtbaren Teil des linken Seeufers.

Hier nochmal ein Bild vom See. Die Straße führt irgendwo am linken Ufer lang. Ganz grob gesagt liegt Creston links von dem ganz hinten hinter der Landzunge noch hervorblinzelnden Berg. Das dürften von da aus noch etwa 40 km gewesen sein.

Der Highway auf dieser Strecke soll angeblich um die 300 Kurven bis Creston haben. Eine absolute Traumroute für Motorradfahrer. Insgesamt war aber recht wenig Verkehr, da der größte Teil, insbesondere der Schwerlastverkehr, den Weg über Salmo nach Creston nimmt. Das ist auch gut so, denn dieser Teil des Higway ist größtenteils ohne Seitenstreifen und auch noch recht eng.

Mathiew, der Wirt von Crawford Bay, hat erzählt, dass er auf der Strecke schon praktisch jedes Tier, vom Bären über Moose bis zum Koyoten, gesehen hat. Ich hab nichts gesehen. Gelegentliche Pfiffe vom angrenzenden Gelände haben das pfeilschnelle Verschwinden von kleinen, putzigen Nagern, kleiner, aber ansonsten dem Murmeltier nicht unähnlich, angekündigt. Gesehen habe ich die Dinger meist gar nicht, oder nur aus den Augenwinkeln.

Ich muss übrigens meine Wertung Kanada vs. USA korrigieren. 0,9 zu 0. Auf der Strecke lag ein an sich sehr schönes Örtchen namens Gray Greek. Sehr schön gelegen zieht sich der Ort ungefähr 10 km am Seeufer dahin. Aber leider prangt am Ortseingang in großen Lettern der Spruch „proudly metric free“. Soviel Borniertheit kann nicht belohnt werden, also keine Pause in einem der Restaurants. Da sind ja die königstreuen noch weiter …

Warum regt der sich jetzt so auf? Weil ich Blödheit nicht ausstehen kann. Die grandiosen Erfolge, die insbesondere die deutschen, aber allgemein mitteleuropäischen Wissenschaftler zu Beginn des 19 Jahrhunderts in Mathematik und Physik gefeiert haben, haben nichts mit Intelligenz oder so zu tun, sondern liegen in der frühzeitigen Abkehr von Maßstäben wie „dreimal der Steiß unseres Königs“ begründet. Wer einmal versucht hat, Physik in nicht SI-Einheiten, gibt's wirklich nennt sich cgs-System, zu treiben, weiß wovon ich spreche.

Die ansonsten ereignislose Fahrt wurde durch einen kräftigen Regenschauer, der mich echt gezwungen hat das erste mal mein Regencape auszupacken, gewürzt. Bisher hab ich die kleinen Schauer immer ignoriert. Der Fahrtwind und die Sonne taten dann ihr Übriges.

Ca. 12 km vor Creston hat sich der Highway noch einmal angeschickt einen kleinen Hügel zu erklimmen. Das war diesmal bestimmt keine Bergtour, aber ich hatte doch einige Steigungen hinter mich gebracht und ich hatte keine Lust mehr, zumal vor mir ein völlig freies, breites und ebenes Tal lag. Als ich also verzweifelt am Straßenrand stand und mich für die finale Schlacht des Tages sammelte, kam ein Rennradler an mir vorbeigerauscht und bog 20 Meter vor mir rechts ab. Ok. OsmAnd angeschmissen, Karte gecheckt, und siehe da, da gibt es tatsächlich eine kleine Straße, die im Tal bis in die Stadt führt.

Angeblich sollte es in Creston einen Campground geben. Aber es war keiner ausgeschildert, was schon mal ungewöhnlich ist. Und der Einheimische, mit dem ich mich unterhalten habe, hat auch nur ratlos gekuckt und irgendwas von aus der Stadt raus und den Highway runter gesagt. Also Motel.

 

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25.05.2015 Gastlegar nach Crawford Bay

Eigentlich wollte ich an dem Tag nur bis nach Nelson, ungefähr 50 km von Castlegar entfernt, fahren. Der Highway 3A führt auf der Strecke mehr oder weniger am Kootenay River entlang. Besondere Steigungen oder Gefälle sind nicht zu erwarten.

Der Plan war, in Nelson, angeblich eine recht quirlige kleine Stadt, zu bleiben und eventuell mal am Abend was zu unternehmen.

Als ich dann aber am frühen Nachmittag nach einer recht ereignislosen Fahrt ankam, hatte ich inzwischen realisiert, dass dann am nächsten Tag ungefähr 120 km bis Creston anstehen. Das war mir dann doch etwas zuviel. Also habe ich beschlossen noch ein Stück weiter zu fahren.

Zuerst wollte ich in dem ca. 20 km weiter flußaufwärts liegenden Nationalpark campieren. Dort angekommen habe ich es mir aber wieder anders überlegt, und bin weiter gefahren.

Am Ende hatte ich fast 100 km auf der Uhr und war in Crawford Bay gelandet. Dazwischen bin ich noch ca. 12 km auf einer kostenlosen Fähre, die offiziell dem Highway zugerechnet wird, von Balfour nach Kootenay Bay gefahren. Leider habe ich ungefähr eine Stunde auf die Fähre warten müssen, wodurch es dann am Ende doch recht spät wurde.

Der Blick von der Mitte des Sees auf die umliegenden Berge war ein Traum.

Danach noch die steilsten 7 km des Tages auf ca. 750 m hochgeklettert und gegen 19:30 Uhr war ich endlich am Campground angekommen.

Nachdem ich mich schnell noch geduscht hatte wurde es gegen 20:30 bereits dunkel, daher habe ich versucht, im nahegelegenen Pub noch etwas zu essen zu kriegen, aber leider war die Küche bereits zu. Zum Glück gab es aber noch ein leckeres Sandwich. Das musste dann eben reichen. Ich hab mich dann noch recht nett mit dem Wirt unterhalten.

Als ich ging, gab es noch ein bisschen Aufregung, weil angeblich einer einen Bären auf der Straße gesehen hat. Der Überbringer der schlechten Nachricht ist dann noch extra die angrenzenden Straßen abgefahren um mir einen sicheren Weg nach Hause zu ermöglichen.

Ich hab keinen Bären gesehen oder gehört. Hab gut und fest geschlafen. In der Nacht hat es dann zu regnen angefangen und ich hatte leider meine Klamotten zum trocknen draußen liegen lassen.

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24.05.2015 Ruhetag

Heute beim Aufstehen, bzw. eigentlich schon vorher, habe ich beschlossen noch einen Tag hier zu bleiben. Der Campground ist optimal und am Sonntag sollten die meisten der Gäste ziemlich bald abreisen, so dass ich dann vermutlich ziemlich alleine hier bin.

Außerdem hatte ich gestern auf dem Weg hierher ein indisches Restaurant gesehen, dass wollte ich mir heute Abend geben. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Also gleich noch die 10 Dollar bezahlt und dann gaaaanz langsam angehen lassen. Gegen Mittag gefrühstückt und ein bisschen gelesen.

Am Nachmittag ist es dann ziemlich windig und wolkig geworden. Es hat dann auch zu regnen angefangen. Ich glaube das ist das erste mal dass es richtig geregnet hat, seit ich in Kanada bin.

Egal, recreation ist angesagt. Rein ins Zelt, ein bisschen gelesen, ein bisschen gedöst. Einfach ein bisschen gemütlich gemacht in meinem temporären? Zuhause.

Punkt 5 vor 6 hat es dann aufgehört zu regnen, optimal dachte ich. Regenklamotten eingepackt und mit dem Fahrrad in die Stadt zum Inder gefahren.

Cusine of India. Das Essen (2,13, 33, 52, 72) war lecker, insbesondere die Pakora, das Nan und die, ich hab extra gefragt, selbstgemachten Mango Pickles waren ein Traum. Einzig die Musik war etwas gewöhnungsbedürftig. Vermutlich irgend ein Best of Bollywood Soundtrack. Aber wir mit Fred Frith und Captain Beefheart groß geworden ist, lässt sich von so etwas nicht beirren.

Die 5-6 km Fahrt nach Hause waren danach bitter nötig.

 

23.05.2015 Christina Lake nach Castlegar

Im Moment habe ich keine Lust mich dazu zu äußern. Der ganze Tag war eher durchwachsen.

Einzig der Campground sieht nicht schlecht aus. Dazu aber morgen mehr.

Heute gibt’s nur den GPX Track.

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So, einen Tag später sieht die Welt schon wieder anders aus. Ich muss jetzt doch noch ein bisschen was erzählen.

Ich bin gegen 10:15 Uhr vom Motel losgefahren und hab eigentlich schon auf die ersten 500 Meter gemerkt, dass das ein Sch…werer Tag wird.

Nach ca. 8 Kilometer komme ich dann an einem Schild vorbei, das mir in bunten Lettern fröhlich verkündet, dass ich noch ca. 950 von 1100 Höhenmetern vor mir habe. Spätestens da hätte ich umkehren sollen.

Aber zuerst ging es ja ganz gut weiter. Es ging immer bergauf, aber in einem angenehmen Rahmen. Leider hat es sich später aber immer mehr gesteigert. Im Prinzip war die Straße nicht schlecht angelegt, es gab nie ein übermäßig steiles Stück, aber es hat sich über mehr als 20 km hinweg immer im Rahmen zwischen ( teilweise gefühlt, teilweise gemessen) 2% und 10% Steigung bewegt. Nie ging es gerade aus oder gar runter. Kilometer für Kilometer ging es mir dann immer mehr an die Substanz. Zumal die Sonne die ganze Zeit vom Himmel brannte und der Wind leider auch nicht gnädig war, sondern meist von vorne geblasen hat.

Jedenfalls hätte ich an dem Tag, wie ursprünglich ja mal geplant, einen Ruhetag einlegen sollen. Die letzten Kilometer vor dem Summit waren die Hölle.

Endlich oben angekommen, hält ein Auto aus der Gegenrichtung und fragt mich ob ich von dem Bären schon gehört hätte. Ungefähr 30 km vor mir befände sich ein Grizzly auf der Straße und ich solle vorsichtig sein.

Jetzt habe ich mich so auf die Abfahrt gefreut und dann das. Ab diesem Moment habe ich mich nur noch die ganze Zeit gefragt was ich tun soll, wenn ich vor mir den Bären auf der Straße sehe. Ok, anhalten. Und dann? Die Viecher sind bis zu 60 km/h schnell. Das schaff ich nicht einmal bergab, und heute schon gleich gar nicht. Meter für Meter habe ich die Straßenränder gescannt. Immer unterbrochen von einem sorgenvollen Blick in den Rückspiegel. Von wegen 60 km/h und so.

Entspannung machte sich erst wieder breit, als ich den Stadtrand von Castlegar erreicht hatte und wieder einzelne Häuser und dichterer Verkehr anzutreffen waren.

Schade, ich hätte meinen ersten Grizzly gesehen. Vielleicht hätte ich sogar ein Foto schießen können …

Gut, ich habe mich also mit letzter Kraft nach Castlegar gerettet, nur um am Visitor Info zehn Minuten nach Schließung anzukommen. Ich hab in letzter Zeit immer wieder mal dort vorbeigeschaut, um Informationen über die lokalen Campgrounds zu bekommen. Ich musste nämlich feststellen, dass nur ein Bruchteil der real existierenden in der OSM eingetragen sind. Und die dann, wie im Fall Keremeos, auch noch an der völlig falschen Stelle.

Jedenfalls habe ich dann in der OSM einen gefunden, ungefähr 7 km weiter. Die schaff ich jetzt auch noch. Aber grad so. Ich glaub ich bin fast vom Rad gefallen als ich endlich dort ankam.

Zuerst das übliche. Ja, wir sind ziemlich voll, es ist Wochenende und so …, aber ich schau mal. Ok, hier geht’s, du fährst dann so und hier links und keine Fahrzeuge hinter dieser Linie! Da kannst du dich hinstellen. Macht 17 Dollar. Hier ist der Beleg, danke. Nicht unfreundlich, aber auch nicht besonders herzlich.

Ok, ich schau mir ein paar Tafeln und Karten an, die um den Eingangsbereich hängen und schwanke wieder auf mein Fahrrad zu. Bist du mit dem Fahrrad da? Hast du nur ein Fahrrad? Kein Auto? Nur ein Fahrrad? Dann kriegst du noch Geld zurück, dann macht das nur 10 Dollar.

Ich wieder zum Office. Wie ausgewechselt, wo kommst du her, wo willst du hin? Du musst sagen, dass du mit dem Fahrrad bist, aber nicht Bike, das sind die Motorradfahrer, sag am besten Cycle. Ich sag, das hat noch nie einen Unterschied gemacht, deshalb hab ich das nicht erwähnt. Sie grinst mich an und sag „Ich weiß, wir sind die einzigen, cool hä?“. Dusche frei (war bisher immer so, wenn es eine gab), Wi-Fi frei, es gibt einen Hahn mit Trinkwasser, dass alleine spart mir 3 Dollar. Und ich hab einen kompletten Bereich für mich alleine.