22.05.2015 Kettle Valley nach Christina Lake

Über die heutige Tour gibt es nicht viel zu erzählen. Die meiste Zeit verlief die Tour auf dem Highway 3 und die Steigungen auf der Strecke hielten sich alle in Grenzen. Die Gegend war eher langweilig. Die Route führte die meiste Zeit an Flüssen entlang und man hatte deshalb nur die Flußtäler mit Tierweiden und die Berghänge mit meist dichten Nadelwald vor Augen.

Ich bin an der größten Sägemühle die ich jemals gesehen habe, vorbeigekommen. Allein das Holzlager war ungefähr 6 Fußballfelder groß. Auf dem Gelände war neben der eigentlichen Sägemühle auch gleich noch eine Fabrik, die aus den Resten Holzfasern, vermutlich für Papier, hergestellt hat. So geht das!

Die ganze Zeit waren auch Trucks mit Bäumen oder gesägten Brettern auf der Straße. Die machen echt Respekt. Wenn so ein vollbeladener Truck mit Bäumen einen Meter an dir vorbeidonnert, dann versuchst du die Spur zu halten.

Natürlich war es wieder ein sehr heißer Tag, insbesondere am Nachmittag, so gegen 16 Uhr, finde ich, drückt die Hitze ganz besonders. Ich glaube heute habe ich meine Rekord in Flüssigkeitszufuhr aufgestellt. Wenn ich richtig gerechnet habe, dann habe ich auf der Tour knapp fünf Liter getrunken. Nicht gerechnet den Tee am Morgen und was ich jetzt, nach Ende des aktiven Teil des Tages, noch trinke.

Eine Zwischenstation auf dem Weg hierher war die Stadt Grand Forks. Dort habe ich mir ein bisschen frisches Obst und etwas zu trinken besorgt. Einen Teil des Obstes und das Getränk hab ich gleich dort verzehrt. Bloß nicht noch mehr schleppen. Und nein, es war keiner der üblichen Softdrinks. Perfekt leckerer Gemüsesaft, ohne irgendwas extra drin, ja, auch das gibt es hier. Ich hab kurz überlegt, dort zu bleiben, aber eigentlich wollte ich noch 20 km schaffen. Also weiter.

Die Nacht bringe ich heute im Lakeview Motel in Christina Lake. Der Name ist witzig. Ich glaube da ist das einzige Motel in dem Ort, dass nicht auf der dem See zugewandten Seite der Straße ist. Und sehen kann man den See auch nicht. Vielleicht vom Dach. Aber das Betreiber Ehepaar ist nett. Ich kann den Grill benutzen und Feuerholz ist auch frei. Mal sehen, vielleicht endet der Abend ja am Lagerfeuer. Im Moment jedenfalls sieht es so aus, als ob ich der einzige Gast wäre.

Überhaupt habe ich ein sehr zwiespältiges Gefühl was die wirtschaftliche Prosperität der ganzen Gegend angeht. Mal von dem einen Sägewerk abgesehen, ist hier nicht so viel Industrie zu sehen. Auch der bisher sehr stark vertretene Obst- und Gemüseanbau existiert hier nicht. Dafür gibt es aber an jedem zweiten Haus oder jeder zweiten Zufahrt ein „zu verkaufen“ Schild. Makler ist wahrscheinlich der einzige Job, der hier Zukunft hat. Wobei. Es finden sich auch viele Schilder, auf denen steht, dass man sein Haus selber verkaufen soll, und das Geld lieber selber behält, entspricht wohl dem deutschen „von Eigentümer“. Also selbst hier haben Makler Gegenwind. Sollte mir das meinen Glauben an die Zukunft der Menschheit wiedergeben? Mal schaun.

Ich weiß es nicht genau, bin zu faul zu schauen, aber heute sollte ich die Marke von 700 km seit Ankunft in Kanada geknackt haben. In Cranbrook muss ich genau schauen, dann müssten die 1000 voll sein. Das dürfte dann irgendwie zu einer Art Feier führen.

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21.05.2015 Osoyoos nach Kettle Valley

Um es gleich vorweg zu nehmen, der Anarchist Mountain hat mich nicht besiegt. Nimm das! Hah!

Natürlich bin ich nicht um. 6:00 Uhr losgekommen. Nein, auch nicht um 6:30 Uhr. Aber um sieben war auch auf der Piste und habe mich schon geärgert, weil die Sonne schon über dem Berg stand und bis auf den See geschienen hat. Der Plan war ja eigentlich so früh loszukommen, dass mich die Sonne beim Aufstieg nicht sieht. Das ist also schon mal nicht geglückt.

Aber ansonsten habe ich alles fast richtig gemacht.

Am Vorabend habe ich mich noch, auf den Ratschlag meines Campground Managers hin, mit einem Wiesenchampignon gedoped. Den Pilz legte er mir auf den Tisch, und meinte dazu, Proteine, die brauchst du morgen. Der ist besser als jedes Stück Fleisch. Ok. Roher Pilz von der Wiese. Weg damit. Schmeckte ausgezeichnet, nach Champignon eben.

Ich habe auch meiner Fahrradkette noch eine Ölung spendiert, da sie während der gestrigen Fahrt schon merklich Geräusche von sich gegeben hat. Angeblich muss ich das nur alle 300 km machen. Inzwischen bin ich aber eher bei 100 km angekommen. Keine Ahnung was ich da falsch mache.

Ich bin um 5:25 Uhr auf Geheiß meines Weckers aufgestanden und hab damit begonnen alle meine Habseligkeiten in die richtige Tasche zu packen, das Zelt auszuräumen und den Schlafsack zum Auslüften auf das Zelt zu legen. Gleichzeitig habe ich Wasser aufgekocht um mir eine Tasse Tee zu machen. Weiter zusammengepackt. Tee gemacht. Noch mehr Wasser aufgekocht. Ich habe geschwankt zwischen Reis oder Nudeln zum Frühstück, wegen der Kohlenhydrate, die ich dann im Laufe des Tages wieder abtrainieren werde. Reis hat gewonnen. Also Reis gekocht. Wasservorräte aufgefüllt. Diesmal hatte ich wohl so um die acht Liter mit dabei. Müll weggebracht. Zähne geputzt. Fahrrad beladen und endlich vom Hof gerollt.

Diese Prozedur mach ich jeden Morgen durch. Es ist erstaunlich, wie lange das jedesmal dauert.

Als ich mich dem Berg genähert habe, habe ich schon gesehen, dass die Verspätung nicht so schlimm ist. Der größte Teil der Straße lag nach wie vor im Schatten. Nur einzelne Stellen waren schon von der Sonne beschienen. Da die Temperaturen um diese Zeit aber sowieso noch, nach Gefühl, im einstelligen Bereich lagen, war das dann auch kein Problem.

Jetzt musste ich mir so viele Horrorgeschichten von diesem Berg anhören, am Ende war alles halb so schlimm. Der erste Teil mit der extremen Steigung war in genau 1:07 Stunden praktisch nonstop, ok, zweimal absteigen zum Wasser trinken, erledigt. 95% der Strecke aber im Granny Gear. Ich war wieder mal heilfroh, dass ich mir hinten den 11-34er Zahnkranz hab einbauen lassen, anstelle der 11-32er Standardvariante. Praktisch der Grannny Gear unter den verfügbaren Kombinationen.

Versuch den Aufstieg im Bild festzuhalten

Ich hab im Moment die geneuen Daten meiner Schaltung nicht parat, aber ich glaube ich mache in der kleinsten Übersetzung ungefähr 0,8 Meter pro Kurbelumdrehung. Also grob gerechnet 8000 mal links treten und 8000 mal rechts treten, und schon war ich über das Gröbste hinweg und die gut 6 Kilometer mit der größten Steigung lagen hinter mir. Es lagen dann noch ca. 20 Kilometer mit einigen längeren Steigungen vor mir, dann endlich gegen Mittag hatte ich den Anarchist Summit erreicht. Nicht täuschen lassen, das war nur ein Pass, aber Name ist Name.

Danach ging es über größere Strecken ganz schön runter, meist aber eher gerade aus. Ziemlich bald hatte ich dann Rock Creek erreicht, war also wieder in der Zivilisation angekommen. Ohne Kreislaufkollaps und ohne zu verdursten. Ich bin dann noch ein bisschen weiter bis hinter Kettle Valley gefahren und hab dann überlegt, ob ich noch ein paar weitere Kilometer machen soll. Da das mir verfügbare Kartenmaterial aber auf die nächsten 80 Kilometer keinen Campground angezeigt hat, habe ich entschlossen bereits am frühen Nachmittag Schluss zu machen. Ich hab daher auch nur ca. 65 km geschafft. Auf meiner weiteren Strecke gibt es jetzt nur noch eine erwähnenswerte Steigung, und zwar zwischen Christiana Lake und Castlegar. Darum kümmere ich mich vielleicht übermorgen.

Die Strecke selbst war jetzt nicht sonderlich spektakulär. Lediglich der Blick zurück auf Osoyoos und den See war beeindruckend, zumal man da bis in die Cascade Mountains im gleichnamigen Nationalpark der USA schauen konnte.

Blick zurück auf Osoyoos

 

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PS: wer sich den GPX Track genauer ansieht, sieht Mist. Irgendwie war da der Wurm drin. Entweder haben die USA irgendwo einen Angriff geflogen, dann schalten sie ja immer das GPS System unscharf, oder mein Handy hatte einen schlechten Tag. Jedenfalls stimmt da irgendwas nicht. Ich kann es aber mit den mir hier verfügbaren Mitteln nicht analysieren oder korrigieren.

PS PS: ich hab heute (22.05.) Markierungen auf der Straße, die mir das kanadische Strassenbauamt zur Verfügung gestellt hat, benutzt, um die Anzahl Kurbelumdrehungen pro Strecke zu zählen. Ich hab im leichtesten Gang exakt 15 Umdrehungen auf 20 Meter gebraucht. Der Wert ist ziemlich genau, weil ich mehrere Messwerte genommen hab und dadurch die Genauigkeit steigern konnte. Für was eine naturwissenschaftliche Grundbildung alles gut ist. Jedenfalls sind das dann 1,33 Meter pro kompletter Umdrehung der Kurbel. Wie ich auf 0,8 Meter komme weiß ich auch nicht. Also habe ich nicht 16000, sondern nur, ach was, das überlasse ich den Lesern:

Textaufgabe: ein Fahrrad legt im kleinsten Gang 1,33 (periodisch) Meter pro 360 Grad Umdrehung der Pedalkurbel zurück. Wie viele Tritte (rechts und links) sind also nötig, um den exakt 6 km langen steilsten Abschnitt des Anarchist Mountain zurück zu legen, wenn man mit dem linken Fuß beginnt. Das linke Pedal steht zu Beginn senkrecht nach oben. Gesucht ist die Zahl, die zum Überfahren der 6 km Marke nötig ist. Ausrollen gilt nicht, der Berg ist so steil, dass das Fahrrad ohne Treten sofort stehen bleibt. Ein begonnener Tritt wird komplett gezählt.

Wer als erster die genaue Zahl nennt kriegt das übliche.

 

20.05.2015 Keremeos nach Osoyoos

Heute hatte ich mir nur eine vergleichsweise kurze Strecke vorgenommen. Die Strecke von Keremeos nach Osoyoos ist insgesamt nur ca. 50 km lang. Außerdem führt die erste Hälfte den Similkameen River entlang und zwar flußabwärts.

Ich weiß nicht ob das auf dem Photo so kommt, aber der Anblick war der Hammer.

Trotzdem sollte man die Strecke nicht unterschätzen. Erstens sind im zweiten Teil dann doch wieder ein paar ganz schön lange Steigungen drin, schließlich wechselt man von einem Tal in das nächste. Und ich habe irgendwo die Empfehlung gelesen, man sollte schon so um die 8 Liter Wasser mitnehmen. Ich hatte so um die 6 Liter dabei und habe auf der Fahrt ungefähr drei davon getrunken. Die Sonne brannte von morgens 6:00 Uhr bis abends 20:00 Uhr unbarmherzig runter. Ich habe leider kein Thermometer, aber es war ganz schön warm.

Der Blick nach vorne
Der Blick zurück

Leider bin ich heute erst gegen 12 Uhr losgekommen, da ich ja noch meine Wäsche waschen musste. Der Waschsalon, habe ich heute erfahren, hat erst seit Anfang Mai auf. Ein junger Bursche und seine Freundin haben sich da selbständig gemacht. Die beiden echt lieb und besorgt. Mitten im Waschsalon steht der Kinderwagen mit dem Nachwuchs. Eine gute Idee fand ich dann auch noch, dass sie auch eine Dusch,pflichtest bieten. Da wird dann eine runde Sache draus. Während die Wäsche gewaschen wird, noch duschen und dann frisch und sauber in den Abend starten. Da kann man den beiden nur wünschen, dass viele Radfahrer und Reisende durchkommen.

Aktuell sieht es mit anderen Radfahrern eher mau aus. Ab und zu sieht man einen auf einem Rennrad. An dem fehlenden Gepäck ganz leicht als ortsansässig zu erkennen. Radler mit schwerem Gepäck habe ich bisher nur 2 gesehen.

Der Eigentümer, oder sagen wir besser Manager, des heutigen Campgrounds hat mir gesagt, dass ich dieses Jahr der erste Radfahrer bin, der durchkommt. Zu dem Campground gleich noch mehr.

Jedenfalls bin ich jetzt in Osoyoos gelandet und bereite mich mental auf die morgige Strapaze bei der Erklimmung des Anarchist Mountain vor. Ca. 25 km ununterbrochen bergauf, insbesondere im ersten Teil meistens im zweistelligen Prozentbereich. Wenn ich den habe, dann sieht es aber so aus, als ob ich die härtesten Anstiege hinter mir hab. Danach geht es im Wesentlichen durch Flußtäler oder an Seen entlang.

Osoyoos, ein Disney-Wasser-Wunderland im Hinterland Kanadas. Irgendwie ein bisschen Cote d'Azur und Sankt Moritz, alles auf amerikanisch, tschuldigung, kanadisch.

Hier heißen die Motels „Surfside“, „Sun Beach Motel“ oder „Sandy Beach Motel“. Als Touristenattraktion gibt es hier die miniaturisierte Nachbildung einer Wüsteneisenbahn, oder eine Wasserrutsche.

Und genau dort bin ich gelandet. Osoyoos Waterslides. Die Wasserrutsche ist noch zu, aber der Campground hat schon mal auf. Als ich kam und sagte ich suche eine Bleibe für ein Zelt, eine Person und eine Nacht, meinte der Eigentümer, für 20 Dollar bekomme ich noch eine Dusche, Strom und Wi-Fi dazu. Deal!

Zusammen mit einem Pärchen aus Holland im Wohnwagen bin ich der einzige Gast. Das hat mir neben einem Campground fast ganz für mich alleine auch noch ein persönliches Gespräch mit dem Eigentümer eingebracht.

Eigentlich ist der Typ ganz nett, allerdings benutzt er das Wort „freaking“ – zumindest verstehe ich das so – ziemlich oft.

Das war solange lustig, solange es um Wind, Wasser, Bären und kalifornische Küstenstraßen ging. Aber im Laufe der Zeit hat sich dann das Thema auf die Geschichte Kanadas, das Gesundheitssystem, die Weltherrschaft der Juden, gesteuert aus Washington, die Unterdrückung Teslas durch Edisson und insbesondere auf Polen (die Menschen, nicht das Land) ausgeweitet. Es hat sich gezeigt, dass der Typ in den 80ern aus Tschechien nach Kanada geflohen ist.

Mit einigen Themen bezüglich Gesundheitssytem, einige unschöne Begebenheiten in der kanadischen Geschichte und damit dass einige Aspekte der Arbeiten Teslas verkannt waren, mag er Recht haben, aber ansonsten hat er mich schon ziemlich lange mit irgendwelchem Quatsch zugetextet. Aber er hat mir auch einige Tipps gegeben, und ich weiß jetzt welches Wasser ich trinken kann und welches ich besser meiden sollte um nicht auf das kanadische Gesundheitssystem angewiesen zu sein.

Ansonsten ist ein eigener Campground inklusive warmer Dusche für 20 $ kein schlechter Deal.

Morgen gehts früh raus. Ich werde mir den Wecker auf 5:00 Uhr stellen. Dann komm ich gegen 6:00, spätestens 6:30 Uhr los und kann den übelsten Teil des Berges hinter mich bringen, bevor mich die Sonne erwischt.

Deshalb hier nur noch den Track des Tages.

 

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19.05.2015 Ruhetag

Nur für den Fall dass ich es noch nicht erwähnt habe. Ich bin gestern auf dem Grest Mill Campground in Keremeos gelandet. Mein neuer Favorit, ja besser als THE! Campground.

Die Nacht kostet 10 $. Ich bin praktisch der Einzige auf dem Platz, dazu später mehr. Gut. Das Wochenende ist vorbei. Unter der Woche gehen selbst die Kanadier nicht auf den Campground. Aber jedenfalls ist es hier sehr ruhig und sehr idyllisch. Keine 10 Meter von meinem Zelt rauscht der Bach vorbei. Es gibt fließend Wasser und die Restrooms sind die ganze Nacht offen. Nur eine Dusche fehlt. Dann wäre das Paradies perfekt.

Und damit ihr nicht glaubt ich müsste schlecht leben oder gar hungern, habe ich hier mal mein heutiges Frühstück eingestellt.

Und weil heute so ein schöner Tag ist, habe ich die Gelegenheit genutzt mir ausreichend Energievorräte für die nächsten Tage anzulegen. Ich hab auch noch einen Akku mit 14000 mAh, aber der ist schon voll.

Na. Jedenfalls hab ich beschlossen meinen Ruhetag hier zu verbringen. Morgen muss ich dann da. 50 km fahren und übermorgen geht es wieder in die Berge.

Falls es jemanden interessiert. Im wesentlichen folge ich der Route die als Variante 1 auf dieser Seite von CrazyGuyOnABike beschrieben ist.

Heute steht im wesentlichen Maintenance an. An meinen Klamotten, an meinem Bike und an meinen Beinen. Morgen sollte dann alles wieder fit sein.

Well. Das war der Plan. Leider hat sich herausgestellt, dass für die Waschstube erst am Mittwoch, also morgen, die Woche anfängt. Jetzt muss ich mir ernsthaft überlegen, ob ich die Wäsche noch hier, oder doch erst beim nächsten Stop machen soll.

Ich wollte ja noch etwas über die Belegung des Campgrounds loswerden. Man sollte dazu wissen, dass Grest Mill nicht nur ein Campground, sondern auch ein Garden ist. D.h. Man kann hier gemütlich auf ein Käffchen vorbeikommen und dann in einem mehr oder weniger schön angelegten Garten spazieren gehen. Wenn ich das Ganze jetzt richtig zusammenkriege, dann ist einer der Gärtner, die diesen Garten hegen und pflegen, ein Dauercamper auf diesem Platz. Das entscheidende ist aber, dass man mir, als ich mich hier einquartiert habe, gesagt hat, dass das Office von 9:00 bis 18:00 Uhr besetzt ist. Außerhalb dieser Zeit soll ich mich doch an den Manager des Platzes, eben diesen Dauercamper wenden.

Spätestens seit ich mich mal mit dem Lebensgefährten einer Freundin von mir unterhalten habe, der als Programmierer in einer kleinen Klitsche in München arbeitet, und er mir voller Stolz erzählt hat, dass er auch schon mal Manager war, ist mir klar, dass ich diesen Titel niemals führen möchte. Ich will damit keinerlei Standesdünkel schüren oder die Arbeit von irgendwem schlecht machen. Der Gärtner hier macht mit Sicherheit einen guten Job. Als Gärtner. Ich möchte aber bezweifeln, dass man irgendetwas erreicht hat, wenn man es zum Manager gebracht hat. Dem facility und campground Manager sei es gedankt. Das Ganze wurde endlich als das entlarvt was es schon immer war. Heiße Luft. Wenn ein Kunde heute noch bereit ist, für jemanden, nur weil Manager auf der Karte steht, noch 200€ mehr am Tag zu zahlen, müsste man ihm 400 abnehmen. Natürlich war es irgendwann einmal schick, sich als Manager zu bezeichnen. Aber inzwischen hat, vermutlich aus Gründen der political correctness, jeder es geschafft an diesen Titel zu kommen.

Deshalb, Leute schaut dass ihr den Mist auf euren Karten los werdet bevor eine Lachnummer draus wird. System Architekt kann ich nur empfehlen. Bis zum campground system architect.

Weil ich grad daran denke. Ich hab es doch noch geschafft, Milchpulver zu finden, das nicht von Nestlé produziert wurde. Es ist unglaublich, aber gefühlt kommt hier jedes zweite Produkt in den Supermarktregalen von dem Dreckskonzern. Gestern wieder. Ich bin auf der Fahrt nach Keremeos an ungefähr 20 Scheunen vorbei gekommen, aus denen heraus das Lokal produzierte Gemüse verkauft wird. An den meisten davon prangt auch ein Schild das für Speiseeis wirbt. So eine Waffel mit zwei Kugeln oben drauf. Kennt man ja. Als ich mich dann vorsichtig den nach drei Seiten hin offenen, aber eben überdachten Scheunen genähert habe, taucht aus dem Dunkel, sobald sich die Augen an den helligkeitswechsel angepasst haben, doch immer ein Nestlé Schild auf. Sofort in die Pedale treten und durchstarten. Von wegen Eiswaffel mit zwei Kugeln. Wie ist eigentlich das kanadische Rechtssystem? Lohnt es sich deswegen einen Prozess zu führen? Ich kann mir auch beim Durchstarten den Knöchel verstauchen, wenn’s hilft.

 

18.05.2015 Old Hedley Road – the way to drive

Einer der Tipps den ich von den Kanadiern in Manning Park bekommen habe, war, nach Princeton nicht auf dem Highway 3 , sondern auf der Old Hedley Road zu fahren. Die Straße läuft mehr oder weniger parallel zum Highway 3, aber auf der anderen Seite des Similkameen River.

Wie der Name schon andeutet, wird die Straße kaum noch benutzt. Eben nur von den wenigen Anwohnern und ein paar Bikern. Hauptsächlich mit, aber eben auch ohne Motor.

Die Straße ist ein Traum. Man kann völlig entspannt radeln und da sie im wesentlichen dem Fluß folgt, geht es immer ein bisschen bergab. Leider hatte ich heute Gegenwind, der zum Nachmittag sogar noch etwas zugenommen hat, so dass man sogar bergab treten musste. Nach ca. 33 km ist dann aber Schluss mit der Freude, die Old Hedley Road geht in den Highway 3 über.

Business as usual. Viel Verkehr, auch immer wieder mal Autos und Trucks die recht knapp an einem vorbeifahren. Man versucht so gut wie möglich auf dem meist guten, manchmal aber auch gar nicht vorhandene, Seitenstreifen zu bleiben.

Die heutige Etappe war als erste von zwei Etappen zur Erreichung von Osoyoos gedacht. Dort wollte ich mal wieder einen Tag ausspannen, um mich auf die Tortur die auf der nächsten Etappe folgt vorbereiten. Angeblich 6 km mit einer zweistelligen Steigung. Die darauf folgenden 19 km sollen auch nicht besser sein.

Das Ganze spielt in einer sehr heißen und trockenen Gegend. Durch die Gebirgsketten werden von Süden heiße Winde bis aus Mexiko hierher geleitet. Am Straßenrand wird alle paar Meter Gemüse und Obst verkauft. Es gibt hier in dem Tal angeblich über 100 Farmen die sich auf Obst und Gemüse spezialisiert haben. Alles wegen der Winde aus Mexiko.

Was ich damit sagen will. Bereits am frühen Morgen ist es hier sehr heiß und die Sonne brennt unbarmherzig runter. Der Anstieg wird also kein Spaß. Außerdem gibt es danach auf die nächsten 100 km nur eine kleine Stadt in der man seine Vorräte, insbesondere Wasser auffüllen kann. Klingt nach ernsthaftem Outdoor.

Die Kanadier sind echt klasse. Gestern war ich im BC Liquor Store. Ich hab mir gerade überlegt, welches Bier ich mir heute gönne. Das Problem ist, dass die einheimischen Biere immer in Dosen, und die Dosen meist in 6er oder 8er Packs verkauft werden.

Jedenfalls hab ich dann doch noch einen Blick in das Regal mit Importwaren geworfen. Und was sehen meine tränenden Augen?

Leider nur TAP 5, aber ich konnte nicht daran vorbeigehen. Tut mir leid ihr lieben local breweries.

Beim Bezahlen hat mir der Manager dann noch ein Gespräch auf Auge gedrückt. Ob ich das Bier kenne. Hey, I'm from Germany. Wo ich denn hin will. Usw. Jedenfalls hat er mir von fürchterlichen Anstiegen auf meinem Weg erzählt. Ich hab ihm von TAP 7 erzählt und gesagt, wenn ich das nächste Mal vorbeikomme und er das auf Lager hat wird das mein Lieblings Liquor Store in ganz BC. Er hat auch gleich in seinem Katalog geblättert. Mal schauen was passiert.

Ok. Schnell nach Hause. Lecker Essen gekocht. Bier getrunken. Wow. Das ist ja ein Doppelbock! Gut geschlafen!

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16. und 17.05.2015 – die Hölle von Manning Park

Die beiden letzten Tage ist eigentlich nicht viel passiert. Ich bin von Hope über den Highway 3, auch Crowsnest Highway genannt, nach Princeton gefahren.

In der Nacht von Gestern auf heute bin ich auf einem der Campingplätze in Manning Park, einem de Nationalparks in BC, gelandet. Es war bereits halb acht abends als ich endlich den Campground erreicht habe.

Der Tag war die Hölle. Ca. 85 km und netto 1300 Höhenmeter haben mich echt fertig gemacht. Auf dem Campground noch schnell ein Essen gekocht und rein ins Zelt. Es war ziemlich kalt draußen, leider habe ich kein Thermometer, aber im Schlafsack war es dann doch sehr gemütlich. Kalte Luft um die Nase. Ich hab super geschlafen.

Heute Morgen haben mich die Nachbarn auf dem Campingplatz zu einem scrambled egg wrap zum Frühstück eingeladen. Zwei ältere Pärchen aus Victoria, die in der letzten Woche mit dem Fahrrad von Pendicton nach Manning Park geradelt sind. Die hatten also an diesem Sonntag ihren letzten Tag und waren praktisch auf dem Weg nach Hause.

Ich hab noch ein paar kleinere Tipps für die Strecke mitbekommen. Wir haben noch ein bisschen geratscht und sind dann wieder unserer Wege gegangen.

Ich hab meine Sachen gepackt und mich auf dem Weg nach Princeton gemacht.

Eigentlich wollte ich noch 20 Kilometer weiter, aber in der Gegend hätte es keinen Campground gegeben. Der einzige Campground in der Nähe von Princeton der in der richtigen Richtung liegt hat meiner Meinung nach keine duschen, daher habe ich beschlossen die Nacht im Motel zu verbringen und mich wieder zu zivilisieren.

Ich wusste dass die Etappe zwischen Hope und Princeton ein paar Steigungen aufweist, aber es hat mich dann doch überrascht, wie schwer sich so ein voll beladenes Fahrrad den Berg hochfahren lässt.

Naja, die beiden nächsten Tage bis Osoyoos sollten einfacher werden. Immerhin bewegt sich die Strecke am Fluß entlang. In Osoyoos werde ich wieder einen Ruhetag einlegen um mich für die dann anstehende Bergstrecke fit zu machen.

 

 

GPS Track vom 16.05.2015

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GPS Track vom 17.05.2015

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15.05.2015 Ruhetag

Gestern noch dachte ich, ich nehm mir ein Motel, da kann ich mal richtig ausspannen und wenn ich dann gegen Mittag langsam wieder losfahr, dann brauch ich keinen ganzen Tag Ruhe.

Ich hatte mir vorgenommen, nach drei, maximal vier Tagen einen Tag Pause einzulegen. Den Tipp hab ich mir von diversen anderen Fahrradreisenden abgeschaut.

Heute Morgen aber habe ich gemerkt, dass es gar nicht geht. Die Beine sind schwer wie Blei und auch das Knie ist noch nicht wieder fit. Die ersten beiden Tage der geplanten Route sind auch eher bergauf, also sollte ich schon halbwegs bei Kräften sein.

Ich hab dann meine sieben (gefühlt -tausend) Sachen gepackt und hab mir ca. 8 km den Fraser River runter einen Campground ausgesucht. Da ich auf dem Weg hierher leider keine vernünftige Einkaufsmöglichkeit gefunden habe, insbesondere keinen Liquor Store, bin ich, nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte und alles bis auf eine leere Tasche abgeladen hatte, nochmal zurück nach Hope geradelt um mich mit Kartoffeln, Steak und Bier einzudecken. Das wird ein Fest heute Abend. Und die 25 km Fahrstrecke an einem Ruhetag sind ja auch nicht schlecht.

Der Campground ist ziemlich voll. Man wollte mir schon keinen Platz geben, erst als klar wurde dass ich nur ein kleines Zelt habe und alleine bin hatte man ein einsehen und ich konnte bleiben. Ich hab für den Platz 30 $ gezahlt. Also mir wird THE! Campground immer sympathischer.

Jetzt scheint die Sonne, ich sitz mitten im Wald und lass es mir gut gehen.

So geht das! (Das ist ein Zitat. Wer mir sagen kann, warum dieses Zitat in diesem Zusammenhang völlig unangebracht ist, kriegt ein Bier! Kleiner Tipp, der Romantitel hat zwei Worte, eines davon ist eine Zahl und die Geschichte spielt im Dresden von 1945, mehr oder weniger) (Verdammt, ich hoffe die Jahreszahl ist korrekt. Das ist eine Anklage an das Bildungssystem, dass es offensichtlich nicht geschafft hat, mir jüngere deutsche Geschichte beizubringen. Leider hab ich aktuell kein Internet und kann meine Blöse daher nicht kaschieren.)

Ansonsten gibt es nicht so viel zu erzählen. Hier gibt es noch ein Bild von meinem Abendessen, damit der Artikel nicht ganz so fad ist.

Hm. Das war lecker. Ein Hoch auf die Schweden, die es mir erst ermöglicht haben, ein komplettes Mal mitten im Wald zuzubereiten. 3000 Watt Heizleistung sind schon nicht schlecht. Primus sine pares!

Der Knoblauch hilft die Bären fern zu halten. Dazu gab's noch Pellkartoffeln, die haben allerdings nicht so lecker geschmeckt. Sogar eher gar nicht lecker. Vielleicht bin ich da als Oberpfälzer etwas verwöhnt, aber schlechte Kartoffeln gehen gar nicht.

Bitte Leute, helft TTIP zu verhindern. Ich möchte nicht, dass irgendwann einmal ein nicht öffentliches Schiedsgericht beschließt, dass wir diese Kartoffeln immer essen müssen. Danke!

Da ich heute den ganzen Tag Zeit hatte mir Blödsinn einfallen zu lassen, war ich knapp davor noch eine weitere Blogkategorie „Einegsegn in insan Wergldog“ ins Leben zu rufen. Allerdings sind mir jetzt nach dem Essen die ganzen Einfälle abhanden gekommen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mit dem erstandenen lokalen Brauereierzeugnis zu kämpfen habe. Nicht falsch verstehen. Das Bier ist eigentlich ganz OK. Allerdings kämpfe ich ganz schön mit dem leeren einer Dose. Ich mein natürlich mit jeder einzelnen.

Ich hab schon überlegt woran es liegen könnte. Zuerst hatte ich den Typ im Verdacht. Lager ist halt nicht so meines. Dann doch den Geschmack. Es ist ein bisschen mild. Ich mag ja eher das Hopfenzeugs. Aber dann hab ich die Ursache des Problems erkannt.

Und ja, Kanada hat das metrische System (Kanada 1 : USA 0). Die Verkehrszeichen sind in Kilometer, nicht in Meilen. In den Geschäften findet man allerdings noch oft LB und OZ oder so Zeugs. Aber auch das metrische System treibt seine Stilblüten. In den Preisauszeichnungen müssen, oder werden zumindest, immer Vergleichswerte angegeben, also sowas wie „das sind dann 9$ pro Kilo“. Im Prinzip eine gute Idee. Immerhin hat nicht jeder sofort den Umrechnungsfaktor von 1/8 LB auf das Kilo parat. Allerdings habe ich dann den Vergleichspreis bei Flaschenwasser gesehen. 0.000985 $/ml. Da ist dann doch wieder solides Kopfrechnen und ein gutes Auge gefragt.

So, 20:00 Uhr. Höchste Zeit vor den Mücken zu fliehen und das Ganze einen Tag zu nennen.

PS: die Seite enthält (außer evtl. 1945) noch einen inhaltlichen Fehler. Wer ihn findet kriegt auch ein Bier. LOL. Das wird hart. Kleiner Tipp. Ich freu mich auf die bei dem Bier startende politische Diskussion. Hoch die Faust!

PS PS: Ich werde ab diesem Artikel auch die Kommentare aktivieren. Es wurde gewünscht.

PS PS PS: Zumindest bei mir kommen die GPX Strecken bei den einzelnen Artikeln irgendwie durcheinander wenn ich mir die Artikel auf der Hauptseite ansehe. Irgendwie sind die Strecken um einen Tag verschoben. Ich hab das dreimal geprüft. Eigentlich ist alles ok. Wenn man allerdings nicht alle Artikel in einer langen Liste, sondern einen einzelnen Artikel betrachtet (Link ist z.b. ganz unten auf der Hauptseite), dann ist alles ok. Ich hab im Moment nur diesen Workaround anzubieten. Aber ihr könnt ja gerne ein Problemticket aufmachen.

ROFL. Den konnt ich mir nicht verkneifen. Ich lieg hier am Boden und krieg mich nicht mehr ein. Sorry.

PS PS PS PS: ich hab's geprüft. 1945 ist doch richtig. Lucky me!

14.05.2015 Finaly Hope BC

Eigentlich gibt es über den heutigen Tag nicht viel zu sagen.

Außer vielleicht dass es der Hammer war. Der beste Tag bisher. Wie es sich bereits am Morgen angekündigt hat, war das Wetter phantastisch, fast zu gut. Diesmal ging nicht durch städtische Gebiete sondern über flaches Land.

Die Strecke geht immer am Fraser River entlang auf das Zwischenziel Hope BC zu. So hab ich mir das ganze vorgestellt. Ja, ich fahre auf einem Highway, aber Offroad war auch nie geplant. Nicht mit diesem Gepäck und bei der angedachten Strecke. Mal davon abgesehen, dass von Zeit zu Zeit riesige Holztransporter vorbeidonnern ist es echt eine angenehme Art zu reisen.

Die Stadt, besser das Städtchen, liegt eingekreist von durchaus ansehnlichen Bergen am Fraser River und stellt so eine Art Knotenpunkt am Rande der Rockies dar. Immerhin drei Highways, 1, 3 und 5 und eine große Eisenbahnroute laufen hier zusammen. Früher oder später kommt also jeder und alles das indiesem Teil Kanadas in oder über die Rockies muss, hier vorbei.

Ich hab von hier aus im wesentlichen zwei Möglichkeiten auf mein Ziel Calgary zuzusteuern.

Die eine Variante führt in den Norden über Kamloops und Banff nach Calgary. Diese Route klingt verlockend, weil sie direkt durch einen der schönsten Teile der Rockies führt, aber ich habe mich dagegen entschieden, weil ich diese Strecke nach Calgary sowieso noch fahren werde.

Deshalb nehme ich die Strecke auf dem Highway 3 über Princeton und Creston nach Calgary. Die Strecke ist zwar etwas länger, aber dafür hoffentlich etwas wenige steil.

Ich hab festgestellt, dass es mit meinem derzeitigen Trainigsstand kein Vergnügen ist geschätzte 140 kg einen Berg hochzuwuchten. Und bei dem Gewicht ist auch schieben keine Option mehr. Also erstmal den Ball, äh Reifen flach halten.

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13.05.2015 Ich lebe noch!

Man kann es kaum glauben, aber ich habe die Nacht überlebt. Kein Bär, kein Waschbär, nichts und niemand hat versucht an mich oder meine Vorräte zu kommen. Ich habe es nicht einmal geschafft die 20 Uhr Marke zu erreichen. Schon hab ich gepennt. Bin um 5:30 Uhr das erste Mal so richtig wach gewesen, hab dann aber bis 7:30 Uhr durchgehalten.

Nach dem Aufstehen habe ich zuerst einmal das Spiel im Lenkerlager meines Fahrrads korrigiert, bei 140 kg auf dem Rad werden einige Dinge doch anders gefordert als ohne Gepäck. Jedenfalls versteht man dann auch, wie Speichen reißen und Rahmen brechen können. Ich überlege sowieso, ob ich in die Truckergewerkschaft eintreten soll. Die Gewichtsklasse sollte schon so ungefähr passen. Fahrradclub ist eher was für Carbonrennradler.

Zum Frühstück gab es dann erstmal eine schöne Tasse Kaffee. Was ich gegessen habe verrate ich nicht. Ich will keinen Ärger. Außerdem verspreche ich es nie wieder zu tun. Also entweder hab ich etwas nicht richtig verstanden, oder eine komplette Nation leidet unter Geschmacksverirrung. Ja, das geht gegen euch Engländer.

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Ich hab mir ziemlich Zeit gelassen. Das Zelt wollte nicht so recht trocken werden. Gegen 10 ging es dann mit schweren Beinen die ganzen 15 km bis zu meiner eigentlichen Route zurück. Nach 40 km hab ich schon angefangen mich nach einem Campground zu erkundigen. Leider ohne Erfolg. Also hab ich mich zusammengerissen und hab die 75 voll gemacht. Dann bin ich hier gelandet

THE! Campground. So nennt sich das Ding.

Der Eingang zum Office sieht ja schon mal gut aus. Ich hab trotzdem geklingelt. Ohne Reaktion. Ich wollte gerade wieder abziehen, es gibt angeblich ein paar Kilometer weiter noch einen Campground, als einer der Dauercamper kam und meinte die sind nur beim Einkaufen und ich soll mich doch einfach irgendwohin stellen. Die haben bestimmt nichts dagegen und er denkt die Nacht kommt so um die 12 Dollar, es gäbe Duschen und alles wäre cool.

Also hab ich mir schon mal einen Platz gesucht. Dann kamen die Besitzer. Zuerst habe die etwas ratlos geschaut. Das Problem wäre, dass es keinen Stellplatz mit Strom mehr gäbe, achso, brauche ich nicht. Ja, dann … Begeisterung war anders.

Zum Glück kam dann der Typ von vorhin, hat ihnen nochmal die gleiche Story erzählt und hat ihnen gesagt, dass er denkt dass die Nacht 12 Dolar kommt. Plötzlich waren die beiden Besitzer/Manager total nett. Na dann, also ich bin Linda, das ist Mike, die Nacht kostet 12 Dollar, ob ich mit einem handgeschriebenen Beleg zufrieden wäre? Das ist der öffentliche Kühlschrank, das ist Trinkwasser, …

Jedenfalls ist das wirklich THE! Campground. Das Ding ist ein bisschen verwahrlost, offensichtlich haben die beiden Besitzer ein wenig die Lust verloren, hat aber trotzdem drei mal mehr zu bieten als der Campground im State Park, kostet ungefähr ein Drittel und hat 10 mal mehr Charme. Alles super.

Es hat leider die ganze Nacht geregnet, aber heute Morgen scheint die Sonne! Das wird ein Tag. Nur die Beine und der Hintern machen mir ein wenig Sorgen.

Kaum zu sehen, aber in den Wolken versteckt sich ein ganzer Berg!

 

Hope ich komme!

12.05.2015 der erste Tag on the Road

Es ist jetzt 19:05 Uhr und der Tag ist gelaufen. Ich sitze im Zelt und nutze das restliche Tageslicht um den Artikel hier zu verfassen. Es wird noch ca. Zwei Stunden hell sein, aber ich denke ich werde in einer Stunde schlafen. Was für ein Unterschied zu den letzten Tagen.

Draußen ist es vor lauter Mücken und ähnlichen Tierchen kaum auszuhalten. Außerdem regnet es leicht. Ich hoffe das hat sich morgen erledigt. Ich hab mir eine Art Reissuppe und einen Tee zum Abendessen gemacht, das Ganze schnell runtergeschluckt. Dazu noch drei Hand voll Salt and Vinegar Chips. Dann hab ich mir noch zwei Liter Wasser aufbereitet. Das Wasser hier kommt zwar aus dem Hahn aber ich glaube trotzdem nicht dass es Trinkwasser ist. Also hab ich mit Xavers Mikrofilter schnell mal zwei Liter geputzt.

Aber vielleicht erzähl ich mal von vorne.

Ich hab das Hotel, meinen letzen Zufluchtsort in der zivilisierten Welt, gegen 11:30 Uhr verlassen und mein Fahrrad beladen. Gefühlt wiegt das ganze Gepäck wohl um die 100 Kilo. Aber Spaß beiseite, das Systemspeicher, Fahrrad, Gepäck und Fahrer dürfte wohl so locker bei 140 kg liegen. Und das will ich durch die Rockies treten. Na Prost.

Noch im Hotel habe ich mir die Route bis zu meinem ersten Ziel Hope, das ich, wenn alles nach Plan klappt, in zwei oder drei Tagen erreichen werde, schon mal ins Handy eingegeben. An dieser Stelle möchte ich mal ein Loblied auf OsmAnd singen. Das Ding ich echt der Hammer. Und seit dem letzten Update sogar irgendwie bedienbar. Noch zuhause habe ich auf die SD-Karte alle Vektorkarten der eventuell in Frage kommenden Staaten Kanadas und der USA geladen. Jetzt habe ich hier – offline – sämtliche Stadt und sonstwas Pläne verfügbar. Man kann alle Straßen des Landes – offline – suchen oder auf die Karte tippen und sagen „Da will ich hin!“, schon springt das Navi an und rechnet einem die Route aus. Für Auto, Fahrrad oder zu Fuß. Ich bin begeistert. Allen Beteiligten Open Street Mapern und OsmAnd Entwicklern sei Dank. Erinnert mich dran, mir die Vollversion von dem Teil zu kaufen. Das kann zwar nicht mehr, aber das Projekt muss unterstütz werden.

Jedenfalls hab ich mich vom Navi durch die Straßen von Vancouver und einiger Vororte leiten lassen. Bin dann schön über Land gefahren. Alles bei gutem Wetter, nicht zu heiß, kein Regen.

Dann hab ich in einem kleinen Park eine kurze Pause gemacht und beschlossen, dass es an der Zeit wäre den Fahrradtag zu beenden. Das linke Knie hat leicht geautscht und der Hintern wollte auch nicht mehr. Leider hatte ich zu dem Zeitpunkt erst 45 Kilometer von 160 bis zum Ziel geschafft. Egal. Ich bin nicht auf der Flucht.

Ich hab dann versucht sowas wie einen Campground zu finden, aber ohne Erfolg. Ich bin dann ein bisschen durch die Gegend gefahren und am Ende auf einem Trailerpark gelandet. Das war wohl eher eine Siedlung, bestehend aus Wohnwägen. Jedenfalls habe ich es dann gewagt zur einheimischen Bevölkerung Kontakt aufzunehmen. Dort haben mir Zähne, die jeden Rechtsstreit gegen jede Zahnärztevereinigung gewinnen würden, sieben mal erklärt, dass ich am nächsten Kreisverkehr rechts, und dann immer geradeaus muss. Bis zum Park. Golden Ears Park. Meine erste Nacht in der Wildniss.

Dort hat man mir dann 35, in Worten fünfunddreißig, CAN $ abgenommen. Allerdings ist der Platz so schlecht nicht. Nur ein bisschen teuer. Der Fairness halber muss man aber sagen, dass auch ein Hummer, beladen mit bis zu 8 Personen, nachdem er ein Reh und diverse Eichhörnchen tot gefahren hat, nur 35 CAN $ zahlen muss. Dafür kann er dann die ganze Nacht halligalli machen. Das ist gut. Dann traut sich der Bär wenigstens nicht in die Nähe.

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